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Eine ganze Zeitlang habe ich versucht, mein Manuskript eines Kinderbuches verlegen zu lassen. Doch die Wirtschaftskrise hat große und kleine Verlagshäuser gleichermaßen getroffen. Es ist für einen Nachwuchsautor ohne Namen und Erfahrung verdammt schwer, wenn nicht gar unmöglich, einen Verlag zu finden, der ein Manuskript ohne Publikationszuschüsse druckt.
Ein Beispiel: In einem Kleinanzeigenteil einer bekannten Frauenillustrierten (ja, so etwas liest Mann auch) bin ich über einen interessanten Eintrag gestolpert.
Da steht doch: Autoren/innen gesucht. Und darunter eine Internetadresse.
Der Internetauftritt des Verlages erschien seriös. Auch der Text, der dort stand, machte großen Mut. Dort wurde davon gesprochen, dass man seit 25 Jahren darauf spezialisiert sei, namenlosen Autoren den Einstig in die Welt der Schriftstellerei zu erleichtern. Dass dieser Verlag schon zahlreichen Autoren geholfen hat und so weiter und so fort.
WOW! Hab ich mir gedacht. Die verstehen mich!
Also habe ich ein Manuskript per Mail eingereicht und siehe, keine zwei Wochen später kam ein dicker Briefumschlag ins Haus. Darin waren Prospekte des Verlages, eine Einladung zur Fachbesuchermesse in Frankfurt, (die ich auch genutzt habe) und eine Erklärung der Verlagschefin, warum Publikationszuschüsse notwendig seien (hörte sich im ersten Moment auch sehr sinnvoll an) und die Erklärung, dass mein Manuskript großartig sei und dass man großes Interesse hätte, es zu drucken.
Also bat ich um ein Verlagsangebot.
Was dann kam, war eine Unverschämtheit. Da verlangte der Verlag einen Publikationsvorschuss von 4.616,80€ bis 7.737,20€, je nach Angebotsmodell!!!
Illustrationen waren da noch nicht mit einkalkuliert.
Als Gegenleistung dafür war ein großes Paket aus Dienstleistungen geschnürt sowie eine 30%-ige Beteiligung am Verkaufserlös. Üblich sind 6% - 9%
Ich hätte bei einem Verkaufspreis von 10,90€ und einer Beteiligung von 30% vom Verkaufspreis, 2367 Bücher!!! verkaufen müssen, nur um meine Einlage wieder herauszubekommen. Und dann hätte ich noch keinen Gewinn erzielt. Man müsste schon einen Megabestseller a la Dieter Bohlen hinlegen, um bei solch einem krummen Geschäft ordentliche Gewinne zu erzielen.
Branchenüblich sind bei einem Neulingswerk 500 verkaufte Exemplare. Und auf dem Kinderbuchmarkt, sieht das ganze noch ein wenig schlechter aus.
Weil ich mich in dieser Branche nun halt gar nicht auskannte, wollte ich erst mal Erkundigungen über den Verlag selber und über branchenübliche Praktiken im Umgang mit Autoren einholen.
Bücher dieses Verlages habe ich trotz seines 25jährigem Bestehens in keinem Buchhandel finden können. Meine Stammbuchhandlung warnte mich sofort, in solch einem Verlag Geld zu investieren, da es normal nicht üblich ist, einem Autor soviel Selbstbeteiligung aufzubrummen.
Nachfragen beim Kulturbüro NRW und ein Gespräch mit einem Medienberater, der angehende freiberufliche Künstler berät, haben ergeben, dass solche Verlage sämtliches Risiko auf die Autoren abwälzen.
Anders ist nicht zu erklären, wie ein Verlag mit solch einem unterdurchschnittlichen und langweiligen Verlagsprogramm (über deren Homepage einsehbar), 25 Jahre lang bestehen konnte.
Dazu kommt, dass Autoren, die auf diesem Wege ihr Werk veröffentlichen, es zudem sehr schwer haben, ihr Buch auf dem Markt zu etablieren und Termine für Buchpräsentationen und ähnliches zu bekommen.
Also bin ich mit meiner Frau zur Buchmesse nach Frankfurt gefahren, um mir ein eigenes Bild vom Verlag zu machen und den Vorschlag einzubringen, mich mit 6% - 9% Erlösbeteiligung zu begnügen und dafür keine Zuschüsse zu zahlen. Woher hätte ich das Geld auch nehmen sollen? Ohne Arbeit?
Zu meinem großem Glück habe ich auf der Messe auch die verantwortliche Person angetroffen, mit der ich sämtliche Korrespondenz abgewickelt hatte.
Die war dann über meine Fragen wenig begeistert und auf meinem Vorschlag antwortete sie lapidar: „Das Angebot steht. Ergreifen Sie es oder lassen Sie es sein. Ein anderes Angebot bekommen Sie nicht.„
Tja, der Tag auf der Messe hat meiner Frau und mir noch viel Spaß bereitet, leider haben wir Dieter Bohlen verpasst, der dort persönlich sein Buch vorgestellt hatte, aber meine Entscheidung bezüglich des Verlagsangebotes und meine Meinung über diesen Verlag, war natürlich endgültig gefallen: FINGER WEG!!!!!!!!
Alle anderen großen Kinder- und Jugendbuchverlage, die ich anschrieb, haben abgelehnt oder das Manuskript erst gar nicht gelesen. Ob es nun an den wirtschaftlich schweren Zeiten oder an meinem Manuskript liegt, kann ich nicht beantworten.
Ich werde die Hoffnung aber nicht aufgeben, und wer weiß, vielleicht bietet sich die Chance über das Internet.
Bis dahin werde ich weiter schreiben, neue Geschichten erfinden und guter Dinge in die Zukunft blicken.
Schlimmer kann es nicht mehr kommen!
Hoffentlich!!!
Mal sehen, wie es wird.
Dirk Sender
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